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Vom Glättglas zum Dampfknopf

Die ziemlich heiße Geschichte des Bügelns

Falten sind offenbar kein neues Problem. Nur die Werkzeuge dagegen haben sich in den letzten Jahrhunderten ziemlich verändert.

Heute stellen wir Temperatur ein, drücken auf Dampf und wundern uns höchstens darüber, warum das Bügeleisen schon wieder entkalkt werden möchte. Früher war Stoff glätten deutlich abenteuerlicher: mit Glas, schweren Eisen, glühender Kohle, heißen Öfen – und irgendwann endlich mit Strom.

Komm mit in Tante Emas Bügelstube. Wir schauen zurück auf eine Zeit, in der Bügeln gleichzeitiges Hausarbeit, Krafttraining und manchmal ein kleines Feuerexperiment war.

Ganz am Anfang: Glätten statt Bügeln

Soweit man weiß, waren Menschen in China die Ersten, die Stoff mit Hitze glätteten: Schon vor über 2000 Jahren wurden dort flache Metallpfannen mit glühender Holzkohle über den Stoff geführt.

In Europa ging es zunächst ohne Hitze. Schon im frühen Mittelalter, unter anderem in der Wikingerzeit, kamen sogenannte Glättgläser oder „linen smoothers“ zum Einsatz: handliche, runde Glasstücke, die über feuchtes Leinen geführt wurden. Sie glätteten den Stoff und brachten ihn zum Glänzen.

Ein Glättglas im British Museum stammt aus der Zeit um 1070 bis 1180. Es wurde in Faccombe Netherton in Südengland ausgegraben und hat einen Durchmesser von etwa acht Zentimetern.

Bügeln ohne Bügeleisen. Geht also doch.

Tante Emas Bügel-Zeitstrahl

Von der Glutpfanne bis zum Dampfknopf: die wichtigsten Stationen auf einen Blick.

  1. vor über 2000 Jahren

    Pfanne mit Glut

    In China werden Metallpfannen mit glühender Holzkohle über den Stoff geführt.

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  2. frühes Mittelalter

    Glättglas

    Leinen wird mit runden Glasstücken geglättet und zum Glänzen gebracht. Ein Fund im British Museum stammt aus der Zeit um 1070–1180.

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  3. spätes Mittelalter bis 19. Jh.

    Flach- und Plätteisen

    Massive Eisen werden auf Herd oder Ofen erhitzt. Mehrere Eisen gleichzeitig sparen Wartezeit.

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  4. vor allem 19. Jh.

    Kohlebügeleisen

    Heiße Holzkohle sitzt direkt im hohlen Eisen. Wärme zum Mitnehmen – allerdings mit offenem Feuer im Spiel.

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  5. 1870/1871

    Mary Florence Potts

    Verbessertes Bügeleisen und abnehmbarer Holzgriff. Eine große Erleichterung für Hand und Arm.

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  6. 2. Hälfte 19. Jh.

    Gas, Spiritus & Co.

    Erfinder probieren unterschiedliche Heizarten aus. Es gibt Gas-, Spiritus- und Reisebügeleisen.

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  7. 1882

    Elektrisches Bügeleisen

    Henry W. Seely erhält ein US-Patent für ein elektrisch beheiztes Flacheisen.

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  8. Anfang 20. Jh.

    Strom wird alltagstauglicher

    Elektrische Bügeleisen verbreiten sich mit der Elektrifizierung der Haushalte.

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  9. ab den 1920ern

    Temperaturregelung

    Thermostate und Stoffeinstellungen machen die Hitze kontrollierbarer.

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  10. 1926 / 1939

    Dampf im Eisen

    Erste Dampfbügeleisen gibt es schon 1926. Das Steam-O-Matic wird 1939 als erstes Dampfbügeleisen bei Underwriters Laboratories gelistet.

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  11. heute

    Dampfstation & Steamer

    Temperaturwahl, Dampf, Abschaltautomatik, Anti-Kalk und Vertikaldampf sind selbstverständlich geworden.

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Flacheisen: Jetzt wird es schwer

Geschmiedete Glätteisen gab es in Europa schon im späten Mittelalter. Im 19. Jahrhundert wurden gusseiserne Flach- oder Plätteisen dann zum Alltagsgerät – auch weil der gusseiserne Küchenherd das Erhitzen leichter machte. Optisch kommen wir dem heutigen Bügeleisen damit schon näher. Das Prinzip war allerdings deutlich weniger bequem: Eisen erhitzen, bügeln, warten, wieder erhitzen.

Deshalb wurden oft mehrere Eisen gleichzeitig erwärmt. Zu einem Wäschofen aus der Zeit um 1910 in der Sammlung der Science Museum Group gehören zum Beispiel sieben Flacheisen. Während eines benutzt wurde, konnten die anderen weiter heiß werden.

Ein Eisen in der Hand. Die anderen warten schon am Ofen. Bügeln mit Schichtdienst.

Und schwer heißt wirklich schwer

Historische Bügeleisen konnten mehrere Kilogramm wiegen. Das Gewicht half beim Pressen – machte eine große Bügelwäsche aber auch körperlich anstrengend.

Haushalt und Oberarmtraining in einem Gerät. Fitnessstudio gespart.

Das Kohlebügeleisen: Die Hitze fährt mit

Bei Kohlebügeleisen wurde glühende Holzkohle in den hohlen Körper des Bügeleisens gefüllt. So musste das ganze Eisen nicht ständig auf den Herd zurück. Erhaltene Modelle aus dem 19. Jahrhundert besitzen Lüftungsöffnungen, Holzgriffe und zum Teil sogar kleine Kamine bzw. Luftführungen.

Das war praktisch – brachte aber Hitze, Asche und Verbrennungsgase direkt an den Arbeitsplatz mit der Wäsche.

Plötzlich wirkt unser heutiger Dampfknopf ausgesprochen friedlich.

1870: Mary Florence Potts macht das Bügeleisen schlauer

Eine Frau gehört unbedingt in diesen Zeitstrahl: Mary Florence Potts aus Ottumwa, Iowa. Sie war gerade 19 Jahre alt, als sie am 24. Mai 1870 ein Patent für ein verbessertes „sad iron“ erhielt. Der hohle Eisenkörper war mit einem Material gefüllt, das Wärme schlecht leitet, zum Beispiel Gips. So blieb die Hitze unten an der Bügelfläche. Außerdem war ihr Eisen an beiden Enden spitz.

Am 4. April 1871 folgte ein weiteres Patent mit einem halbkreisförmigen, abnehmbaren Holzgriff. Der Griff konnte auf unterschiedliche erhitzte Eisenkörper gesetzt werden und blieb wesentlich angenehmer anzufassen als ein durchgehend heißer Metallgriff.

Spätestens 1897 wurden Sets mit drei Eisen in verschiedenen Größen, einem Griff und einem Untersetzer verkauft. Potts' Entwürfe wurden sehr populär und von verschiedenen Herstellern produziert.

Spätes 19. Jahrhundert: Hauptsache heiß

Im 19. Jahrhundert wurde mit verschiedenen Heizsystemen experimentiert. Neben klassischen Herd- und Kohlebügeleisen gab es auch gas- oder spiritusbeheizte Modelle und Reisebügeleisen mit eigener kleiner Heizquelle.

Die Science Museum Group dokumentiert zum Beispiel ein spiritusbeheiztes Reisebügeleisen-Set aus der Zeit um 1890 – inklusive Zubehör und faltbarem Bügelbrett.

Reisebügeleisen 1890: weil offenbar auch im Urlaub niemand vor Falten sicher war.

1882: Strom zieht ein

Am 6. Juni 1882 erhielt Henry W. Seely ein US-Patent für ein elektrisches Flacheisen. Im Inneren sollte ein elektrischer Widerstand – laut Patent am liebsten aus Kohle – die Bügelfläche erhitzen. Das Grundprinzip kommt uns heute sehr bekannt vor.

Nur war Strom in Privathaushalten damals keineswegs selbstverständlich. Das elektrische Bügeleisen konnte sich deshalb erst mit der zunehmenden Elektrifizierung wirklich verbreiten.

Endlich ein Kabel. Und ausnahmsweise war das Kabel tatsächlich ein Fortschritt.

Anfang des 20. Jahrhunderts: elektrisch, aber noch ziemlich massiv

Frühe elektrische Bügeleisen waren weiterhin schwer. Das Smithsonian dokumentiert etwa ein Simplex-Modell von ungefähr 1906 mit einem Gewicht von sechs Pfund – also rund 2,7 Kilogramm. Es hatte einen Holzgriff und arbeitete mit 475 Watt.

Kurios: Laut einem Katalog von 1916 gab es für solche Eisen ein Gestell, mit dem man das umgedrehte Bügeleisen sogar als Kochplatte benutzen konnte.

Der Unterschied war trotzdem gewaltig: Die Wärme kam nun direkt aus dem Gerät und musste nicht mehr durch Herd, Kohle oder offene Flamme erzeugt werden.

Temperaturregler: Nicht mehr nur hoffen, dass es passt

Ab den 1920er-Jahren kamen elektrische Bügeleisen mit Thermostat auf. Damit wurde Bügeln kontrollierbarer: Statt die Hitze hauptsächlich nach Erfahrung einzuschätzen, konnten Geräte zunehmend auf unterschiedliche Stoffarten eingestellt werden. Auf dem Regler eines Steam-O-Matic aus der Sammlung des Smithsonian stehen schon Rayon, Seide, Wolle, Baumwolle und Leinen.

Zu kalt: passiert nichts. Zu heiß: weißt du hinterher. Ein Regler war also eine ziemlich gute Idee.

Ende der 1930er: Jetzt kommt der Dampf

Erste elektrische Dampfbügeleisen gab es schon Mitte der 1920er-Jahre, durchgesetzt haben sie sich aber erst später. Einen wichtigen Schritt machte das Steam-O-Matic: Das Smithsonian beschreibt das 1939 eingeführte Gerät als erstes Dampfbügeleisen, das von Underwriters Laboratories gelistet wurde, einer amerikanischen Prüfstelle für Gerätesicherheit. Es kombinierte elektrisches Heizen mit einem Wassertank und Dampffunktion.

Damit arbeiteten Hitze, Feuchtigkeit und Druck endlich direkt in einem Gerät zusammen – ziemlich genau das Prinzip, das wir heute selbstverständlich benutzen.

Und plötzlich sieht die Bügelgeschichte verdächtig modern aus.

Heute: mehr Technik, gleiche Falten

Heute gibt es Dampfbügeleisen, Dampfstationen, Steamer, Temperaturautomatik, Vertikaldampf, Abschaltautomatik, Anti-Kalk-Systeme und beschichtete Sohlen.

Was sich nicht geändert hat: Stoff kann knittern. Und irgendjemand steht davor und fragt sich, welche Temperatur jetzt eigentlich die richtige ist.

Über zweitausend Jahre Stoff glätten – und am Ende schauen wir immer noch aufs Pflegeetikett.

Bügelwissen, das niemand braucht – das wir aber trotzdem wissen wollen

Zurück in die Gegenwart

Zum Glück müssen wir heute keine Kohle mehr ins Bügeleisen füllen. Jetzt schauen wir uns an, wie du Baumwolle, Jersey, Wolle & Co. richtig bügelst – ohne Brandfleck und ohne Drama.

Quellen

Die Angaben auf dieser Seite beruhen auf diesen Museums-, Patent- und Nachschlagequellen:

Weitersagen lohnt sich