50 Begriffe, die dir beim Stoffkauf und am Nähtisch begegnen können.
Angeraut
Beim Aufrauen werden Fasern an die Oberfläche geholt. So entsteht ein weicherer, oft wärmer wirkender Griff, etwa bei Sweat oder Flanell. Die Pflege muss diese Oberfläche schonen.
Atlasbindung
Längere Fadenabschnitte liegen ohne häufige Kreuzung sichtbar an der Oberfläche. Dadurch kann ein glatter, glänzender Stoff entstehen. Satin ist das bekannte Beispiel; die Faser muss dabei keine Seide sein.
Batik
Batik ist ursprünglich eine Reservefärbetechnik, bei der abgedeckte Bereiche Farbe anders oder nicht aufnehmen. Im Handel kann der Name auch einen ähnlichen Druck meinen. Prüfe Pflege und mögliche Farbabgabe am Produkt.
Beschichtet
Eine aufgebrachte Schicht verändert die Oberfläche, etwa ihre Abwischbarkeit oder Wasserbeständigkeit. Beschichtung und Textilgrund bestimmen gemeinsam Pflege und Nadelwahl. Nadelstiche können bleibende Löcher erzeugen.
Blickdichte
Blickdichte beschreibt, wie wenig durch einen Stoff zu sehen ist. Farbe, Licht, Dehnung und Lagenzahl verändern den Eindruck. Prüfe helle oder elastische Stoffe gegen Licht und mit einer passenden Unterlage.
Bordürendruck
Bei einem Bordürendruck liegt ein auffälliger Musterbereich entlang eines Randes oder Streifens. Plane seine Position am Kleidungsstück vor dem Zuschnitt. Fadenlauf und Motivwunsch passen nicht immer automatisch zusammen.
Dehnbarkeit
Dehnbarkeit beschreibt, wie weit ein Stoff unter Zug nachgibt. Prüfe Längs- und Querrichtung und die Vorgabe des Schnittmusters. Der Elasthananteil allein sagt dir die tatsächliche Dehnung nicht.
Digitaldruck
Digitaldruck ist ein Druckverfahren und keine Stoffart. Er kann auf unterschiedlichen Grundstoffen eingesetzt werden. Druck, Vorbehandlung und Faser bestimmen gemeinsam, welche Wäsche und Bügelwärme erlaubt sind.
Einlaufen
Beim Waschen, Trocknen oder durch andere Behandlung kann ein Stoff kleiner werden. Das Ausmaß hängt von Faser, Konstruktion und Vorbehandlung ab. Messe einen markierten Probelappen vorher und nachher.
Fadenlauf
Der Fadenlauf legt fest, wie ein Schnittteil auf dem Stoff liegt. Bei Webware orientiert er sich meist an den Kettfäden, bei Maschenware an den Maschenstäbchen. Folge der Markierung deines Schnittmusters.
Fall
Der Fall beschreibt, wie ein Stoff hängt und sich bewegt. Weicher Fall passt zu fließenden Formen, mehr Stand zu klaren Silhouetten. Halte eine größere Fläche hoch, statt nur eine kleine Ecke zu fühlen.
Faser und Stoff
Baumwolle, Polyester und Elasthan sind Fasern. Popeline, Jersey und Satin beschreiben dagegen einen Stoff beziehungsweise seinen Aufbau. Beides gehört zusammen: Ein Baumwolljersey ist etwas anderes als Baumwollpopeline.
Fischgrat
Fischgrat zeigt gegeneinander laufende Diagonalen. Gewebter Fischgrat beruht typischerweise auf einer abgewandelten Köperbindung. Der Name kann im Handel auch nur das gedruckte Muster meinen.
Gewalkt
Beim Walken verdichtet sich geeignetes Wollmaterial durch Feuchtigkeit und Bewegung. Die Fläche verändert Größe und Griff. Fertiger Walk kann bei ungeeigneter Wäsche weiter einlaufen; Vorwaschen ist hier keine pauschale Empfehlung.
GOTS
Der Global Organic Textile Standard verbindet Anforderungen an Biofasern mit Vorgaben für die Verarbeitung, einschließlich ökologischer und sozialer Kriterien. Geltungsbereich und gültige Kennzeichnung des konkreten Produkts prüfen. Bio allein bedeutet nicht automatisch GOTS.
Grammatur
Die Grammatur nennt das Flächengewicht, meist in Gramm pro Quadratmeter. Sie hilft beim Vergleichen, sagt aber allein weder Dicke noch Wärme oder Qualität voraus. Ein dichter Stoff kann dünn und schwer sein.
Griff
Mit Griff ist gemeint, wie sich ein Stoff anfühlt: etwa glatt, weich, trocken, körnig oder voluminös. Das ist hilfreich, aber keine feste Faserangabe. Zwei Baumwollstoffe können sich völlig verschieden anfühlen.
Hahnentritt
Hahnentritt ist ein gezacktes, meist kontrastreiches Muster. Es kann gewebt, gestrickt oder gedruckt erscheinen. Achte beim Zuschneiden auf passende Musterrichtung und Übergänge.
Kette und Schuss
Die Kettfäden laufen in Herstellungsrichtung des Gewebes, die Schussfäden quer dazu. Beim üblichen Webstoff verläuft die Kette parallel zur Webkante.
Köperbindung
Die Bindung bildet typische diagonale Linien. Denim und Gabardine sind bekannte Beispiele. Richtung und Steilheit der sichtbaren Rippen ersetzen beim Zuschneiden nicht den Fadenlauf.
Laminiert
Beim Laminieren werden Schichten miteinander verbunden. Das kann ein Textil mit Folie, Membran oder einem weiteren Stoff sein. Die Pflege muss den gesamten Verbund vertragen.
Leinwandbindung
Hier wechseln sich Kett- und Schussfäden regelmäßig über und untereinander ab. Das ergibt eine einfache, häufig stabile Bindung. Sie kann mit Baumwolle, Leinen und vielen anderen Fasern gewebt werden.
Maschenware
Maschenware besteht aus miteinander verbundenen Maschen. Dazu gehören gestrickte und gewirkte Stoffe. Viele geben bereits durch ihren Aufbau nach, auch ohne Elasthan.
Materialetikett
Die Faserangabe beschreibt die tatsächliche Zusammensetzung des konkreten Produkts, häufig in Prozent. Namen wie Satin, Softshell oder Mikrofaser ersetzen diese Angabe nicht. Bewahre beim Stoffkauf auch Pflegeinformationen auf.
Merzerisiert
Merzerisieren ist eine Veredelung vor allem für Baumwolle. Sie kann Glanz, Festigkeit und Farbstoffaufnahme verändern. Merzerisiert bezeichnet weder eine eigene Faser noch automatisch eine bestimmte Waschtemperatur.
NM bei Nähnadeln
NM ist die metrische Größenangabe der Maschinennadel. NM 80 steht für eine Nadeldicke von 0,80 Millimetern. Die Zahl beschreibt die Dicke; Universal, Jersey oder Microtex beschreiben unterschiedliche Nadeltypen.
OEKO TEX STANDARD 100
OEKO-TEX STANDARD 100 kennzeichnet auf Schadstoffe geprüfte Textilien innerhalb des jeweiligen Zertifizierungsumfangs. Das Siegel ist keine automatische Aussage über Bioanbau oder Recycling. Eine konkrete Zertifizierung muss zum angebotenen Produkt passen.
Paisley
Paisley bezeichnet ein geschwungenes tropfenähnliches Motiv. Es kann auf Seide, Baumwolle, Viskose und anderen Stoffen erscheinen. Für dein Nähprojekt entscheidet weiterhin der Grundstoff.
Panel
Ein Panel ist ein abgegrenzter Motivabschnitt. Seine Größe kann deinen Zuschnitt vorgeben. Miss das nutzbare Motivfeld und prüfe, wie Schnittteile und Nahtzugaben darauf passen.
Pflegezeichen
Pflegezeichen nennen die zulässige Behandlung. Temperaturzahlen im Waschsymbol sind Höchstwerte; Balken verlangen eine mildere Behandlung. Durchgestrichene Zeichen verbieten das jeweilige Verfahren. Das konkrete Etikett geht allgemeinen Lexikontipps vor.
Pilling
Pilling sind kleine Faserknötchen an der Oberfläche. Sie entstehen durch Reibung und hängen von Faser, Garn, Stoffaufbau und Nutzung ab. Schonende Pflege hilft; ein Fasername allein ist kein Pillingversprechen.
Plissiert
Plissiert bedeutet mit regelmäßig angelegten Falten versehen. Ihre Haltbarkeit hängt von Material und Fixierung ab. Nicht einfach glattbügeln: Hier sind die Falten Teil des Plans.
Rapport
Der Rapport ist die Wiederholung eines Musters. Wenn Karos, Blumen oder Figuren an Nähten zusammentreffen sollen, brauchst du dafür oft zusätzlichen Stoff. Miss die Wiederholung vor dem Einkauf.
Rayon
Rayon ist vor allem im englischsprachigen Handel eine Bezeichnung für regenerierte Zellulosefasern, häufig Viskose. Prüfe die genauere Materialangabe; der Begriff sagt weder Webart noch eine einheitliche Pflege aus.
Rechte und linke Stoffseite
Die rechte Seite soll beim fertigen Stück meist nach außen zeigen. Druck, Flor oder Struktur helfen beim Erkennen. Manche Stoffe sehen beidseitig ähnlich aus; markiere dann deine gewählte Rückseite.
Rücksprung
Rücksprung ist die Fähigkeit, nach dem Dehnen wieder in die ursprüngliche Form zurückzukehren. Für Leggings, Bündchen und eng sitzende Teile ist das besonders wichtig. Ein dehnbarer Stoff kann trotzdem ausbeulen.
Sanforisiert
Die Sanforisierung ist eine kontrollierte mechanische Schrumpfbehandlung. Sie soll späteres Einlaufen begrenzen. Vorbehandelt heißt trotzdem nicht, dass jeder Stoff in jedem Waschgang unverändert bleibt.
Schräger Fadenlauf
Im ungefähr 45 Grad schrägen Verlauf zur Kette kann Webware stärker nachgeben. Das wird für Schrägbänder und weich fallende Kleidung genutzt. Zuschnitt und Nähen brauchen etwas mehr Ruhe.
Stand
Stoff mit Stand hält Formen eher aufrecht, statt weich zusammenzusinken. Das hilft bei Taschen, weiten Röcken oder klaren Jackenformen. Für fließende Blusen kann viel Stand dagegen unpassend sein.
Stoffbreite
Die Stoffbreite beschreibt die Breite der Bahn. Nutzbare Breite und Gesamtbreite können wegen Kanten oder Motivaufteilung abweichen. Der Stoffverbrauch im Schnittmuster gilt immer für eine bestimmte Breite.
Strichrichtung
Bei Florstoffen legen sich Härchen in eine bestimmte Richtung. Das verändert Glanz und Farbeindruck. Schneide zusammengehörige Teile einheitlich zu, sofern das Schnittmuster nichts anderes vorsieht.
Strickware
Strickware ist Maschenware, bei der Maschen nacheinander gebildet werden. Im Stoffhandel meint Strickstoff oft sichtbar gestrickte Meterware. Auch feiner Jersey gehört technisch zu den gestrickten Stoffen.
Vichy
Vichy bezeichnet ein regelmäßiges kleines Karomuster, klassisch aus weißen und farbigen Fäden. Es ist keine Faserbezeichnung. Pflege und Nadel richten sich nach dem tatsächlichen Stoff.
Vliesstoff
Vliesstoff wird aus Fasern oder Filamenten zu einer Fläche verfestigt, ohne die typische Web- oder Strickstruktur. Er kann als Einlage, Filter oder technisches Textil dienen. Seine Verwendung muss zum Produkt passen.
Vorwaschen
Wasche waschbare Meterware möglichst so vor, wie du das spätere Stück pflegen wirst. Das kann Einlaufen und Farbabgabe vor dem Zuschnitt zeigen. Bei nicht waschbarer oder speziell beschichteter Ware zuerst die Anleitung prüfen.
Wasserabweisend und wasserdicht
Wasserabweisende Oberflächen lassen Wasser zunächst eher abperlen. Wasserdichtigkeit verlangt eine nachgewiesene Barriere für definierte Bedingungen. Beim fertigen Nähprojekt zählen zusätzlich Nähte, Reißverschlüsse und Verarbeitung.
Webkante
Die Webkante ist der seitliche Abschluss einer gewebten Stoffbahn. Sie kann fester sein als der übrige Stoff. Schneide sie weg, wenn sie das fertige Teil zusammenzieht oder hart macht.
Webware
Bei Webware kreuzen sich Kett- und Schussfäden. Viele Gewebe sind recht formstabil. Elasthan oder andere Konstruktionen können trotzdem Dehnung hineinbringen. Webware bedeutet deshalb nicht automatisch unelastisch.
Wirkware
Bei Wirkware werden Maschen mit mehreren Nadeln gemeinsam gebildet. Gewirkte Stoffe können fein, elastisch, netzartig oder stabil sein. Fürs Nähen zählen die konkrete Konstruktion und die Dehnung.
Zweiwege und Vierwegestretch
Diese Handelsbegriffe beschreiben meist Dehnung in einer oder in beiden Stoffrichtungen. Sie werden nicht überall gleich verwendet. Prüfe deshalb immer längs und quer, wie stark der konkrete Stoff nachgibt.