Nur noch 23! Den Adventskalender selber füllen
Ohne Stress und mit Ideen für Kinder von 3 bis 12 Jahren. Persönlich, bezahlbar und ohne nächtliches Verpackungsdrama am 30. November.
Ich habe zwei Kinder. Und ich habe als Mutter diesen einen kleinen Anspruch: Wenn es irgendwie möglich ist, mache ich ihre Adventskalender selbst.
Nicht, weil gekaufte Kalender grundsätzlich böse wären. Und auch nicht, weil der Dezember noch einen weiteren Wettbewerb in der Disziplin „Welche Mutter macht es am schönsten?“ gebrauchen könnte. Ganz sicher nicht.
Ich mache sie selbst, weil ich glaube, dass genau diese kleinen Dinge später bleiben. Das Rascheln am Morgen. Das Raten. Der prüfende Blick auf ein Päckchen: weich, hart, schwer, verdächtig leicht. Und dieses winzige tägliche Stück Vorfreude, noch bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat.
Bei meiner Tochter habe ich das viele Jahre gemacht. Sie ist mittlerweile erwachsen. Jetzt bekommt mein Sohn noch seinen selbst gefüllten Kalender. Und ich denke mir: Irgendwann erinnern sie sich vielleicht nicht mehr an jedes einzelne Geschenk. Aber vielleicht daran, wie der Kalender am Treppengeländer hing und schon beim Hereinkommen das ganze Haus ein bisschen nach Advent aussah.
Mal 24 Kleinigkeiten. Mal ein halbes Legolager.
Ich habe schon ganz unterschiedliche Kalender gefüllt. Einmal habe ich ein riesiges LEGO-Set auf 24 Türchen verteilt. An anderen Jahren habe ich viele einzelne kleine Sachen gesammelt: etwas zum Spielen, etwas zum Naschen, etwas zum Basteln, etwas, das wir gemeinsam benutzen konnten.
Die LEGO-Idee funktioniert übrigens wunderbar. Man sollte die Teile nur mit einer gewissen Logik verteilen. Sonst steht am 7. Dezember ein sehr motiviertes Kind vor einem halben Raumschiff ohne Cockpit, während sämtliche entscheidenden Teile gemütlich in Türchen 19 liegen.
Was ich an den selbst gemachten Kalendern so liebe: Die Kinder raten, was wohl darin ist. Sie freuen sich jeden Tag darauf. Sie bedanken sich. Und manchmal wird aus dem Inhalt gleich etwas Gemeinsames. Wir bauen, spielen, probieren aus oder verabreden uns für einen kleinen Ausflug. Dann ist das Türchen nicht nur aufgemacht – es passiert auch etwas damit.
Und jedes Jahr grüßt der 30. November
So romantisch das alles klingt: Meistens war ich mit meinem Kalender zu spät dran. Sehr spät. Also wirklich „Am Abend vor dem 1. Dezember noch zwischen Geschenkpapier, Klebeband und 24 widerspenstigen Zahlenanhängern sitzen“-spät.
Das ist nicht besinnlich. Das ist Hochleistungssport mit Schere.
Genau deshalb soll dieser Artikel euch nicht noch mehr Adventsaufgaben auf den Tisch legen. Er soll euch Stress nehmen. Fangt früh an. Der Dezember bringt seine eigene Unordnung zuverlässig mit. Die müssen wir nicht schon am 30. November künstlich vorwärmen.
Ich habe gestern das erste Türchen für meinen Sohn gekauft. Nur noch 23 übrig. Läuft bei mir. LOL.
Tante Emas kleine Adventskalender-Regel
Ein selbst gefüllter Kalender muss nicht 24-mal spektakulär sein. Er darf leise Türchen, lustige Türchen, leckere Türchen und ein paar echte Knaller haben. Genau die Mischung macht ihn persönlich.
Die 8-8-8-Regel gegen Adventskalender-Wahnsinn
Wenn ich 24 besondere Geschenke kaufen möchte, wird der Kalender schnell teuer, riesig und anstrengend. Viel entspannter ist diese einfache Mischung:
- 8 kleine Dinge: Spielzeug, Stifte, Sammelsachen, etwas Nützliches oder etwas für ein Hobby.
- 8 Dinge zum Aufbrauchen: Lieblingssüßigkeiten, Kakao, Badezusatz, Sticker, Bastelmaterial oder ein besonderer Snack.
- 8 gemeinsame Momente: kleine Gutscheine, Spieleabende, Backen, Vorlesen, Taschenlampenrunde oder gemeinsam länger wach bleiben.
Damit müsst ihr nicht 24-mal durch die Spielwarenabteilung rennen. Und der Kalender bekommt etwas, das man nicht fertig kaufen kann: Zeit miteinander.
Eine Sache vorweg: Rosa Listen und blaue Listen können wir uns sparen
Viele suchen im Internet ganz konkret nach „Adventskalender-Ideen für Jungen“ oder „Adventskalender für Mädchen“. Deshalb findet ihr diese Begriffe auch in den Überschriften. Aber natürlich entscheidet nicht das Geschlecht, ob ein Kind Dinos, Glitzer, Fußball, Experimente, Pferde, LEGO oder Nagellack liebt.
Schaut deshalb ruhig in alle Listen. Ein Mädchen darf den Roboter nehmen. Ein Junge die Perlen. Ein Kind, das gerade für Steine brennt, braucht weder Einhorn noch Rennauto, sondern vermutlich einfach einen sehr schönen Stein.
Kurz auf die Packung schauen
Gerade bei den jüngeren Kindern bitte immer die Altersangaben beachten. Ein Adventstütchen besitzt leider keine geheimen Kräfte, durch die verschluckbare Kleinteile plötzlich harmlos werden.
Adventskalender-Ideen für Jungen von 3 bis 6 Jahren
- kleines Auto, Baustellenfahrzeug oder Holzfahrzeug
- Tierfigur, Dinosaurier oder Fingerpuppe
- Knete oder ein einzelnes Töpfchen Modelliermasse
- Stempel mit Tier-, Fahrzeug- oder Wintermotiv
- kleine Taschenlampe
- Mini-Puzzle oder einfaches Geduldsspiel
- Seifenblasen für einen kalten Wintertest
- lustige Pflaster oder Tattoos
- warme Socken mit Lieblingsmotiv
- Gutschein für eine Höhle im Wohnzimmer
Adventskalender-Ideen für Mädchen von 3 bis 6 Jahren
- Haarspangen, Zopfgummis oder ein kleines Haarband
- Tierfigur, kleine Puppe oder Fingerpuppe
- Stickerbogen oder Tattoos
- Straßenmalkreide oder Wachsmalstifte
- Knete oder Modelliermasse
- Stempel und ein kleines Stempelkissen
- Badefarbe oder ein kinderfreundlicher Badezusatz
- große Fädelperlen passend zum Alter
- kleines Bilderbuch oder Pixi-Buch
- Gutschein für Plätzchenbacken mit sehr viel Verzierung
Adventskalender-Ideen für Jungen von 6 bis 9 Jahren
- LEGO-Minifigur oder kleines Klemmbaustein-Set
- Sammelkarten – aber nur, wenn das Sammelfieber bereits ausgebrochen ist
- kleines Experiment oder Flummi-Set
- Zaubertrick
- Mini-Kartenspiel
- Würfel, Knobelspiel oder kleiner Zauberwürfel
- Reflektor oder Leuchtclip für Ranzen und Fahrrad
- kleine Figur aus der aktuellen Lieblingswelt
- Witzeblock oder Scherzfrage für den Frühstückstisch
- Gutschein für einen Taschenlampenspaziergang
Adventskalender-Ideen für Mädchen von 6 bis 9 Jahren
- Glitzer-, Gel- oder Neonstifte
- kleines Notizbuch oder Freundeblock
- Perlen und Band für ein Armband
- LEGO-Minifigur oder kleines Bauset
- Mini-Bastelset, Stempel oder Washi-Tape
- Haarklammern oder bunte Zopfgummis
- kleines Experiment
- Sticker, Tattoos oder Nagelsticker
- Kartenspiel oder Rätselblock
- Gutschein für einen gemeinsamen Kakao außer Haus
Adventskalender-Ideen für Jungen von 9 bis 12 Jahren
- LEGO-Minifigur, kleines Set oder besondere Einzelsteine
- Metall-Geduldsspiel oder kniffliges Mini-Puzzle
- Fidget-Würfel, Infinity Cube oder Knetball
- kleine Taschen- oder Stirnlampe
- Karabiner, Schlüsselband oder Anhänger in der Lieblingsfarbe
- Mini-Experiment, Kristalle oder ein kleiner Bausatz
- Sammelkarten, Spielfigur oder etwas aus der aktuellen Lieblingswelt
- gute Kopfhörerhülle, Kabelhalter oder anderes kleines Technikzubehör
- coole Socken – ja, Socken können inzwischen tatsächlich wieder cool sein
- Gutschein: 30 Minuten länger aufbleiben und gemeinsam einen Film schauen
Adventskalender-Ideen für Mädchen von 9 bis 12 Jahren
- schöne Stifte, Textmarker oder ein kleiner Brushpen
- Notizbuch, Mini-Kalender oder Post-its
- Armband, Anhänger oder Material zum Selbermachen
- Lippenpflege, Handcreme oder Nagellack – passend zum Kind
- LEGO-Minifigur, Klemmbausteine oder ein kleines Konstruktionsset
- Rätselkarten, Metallpuzzle oder Mini-Escape-Aufgabe
- Socken, Haaraccessoire oder Schlüsselanhänger
- kleines Näh-, Zeichen- oder Bastelmaterial fürs Lieblingshobby
- Lieblingssnack, besonderer Kakao oder eine kleine Teemischung
- Gutschein für einen gemeinsamen Stadtbummel oder Cafébesuch
Gutscheine, die nicht nach Notlösung aussehen
Ein Gutschein muss nicht nach „Mir ist gestern nichts mehr eingefallen“ aussehen. Er wird besonders, wenn er konkret ist und wirklich eingelöst wird. Zum Beispiel:
- Heute bestimmst du das Abendessen.
- Wir bauen eine Höhle und essen darin zu Abend.
- Du suchst den Familienfilm aus.
- Heute bleiben wir 30 Minuten länger wach.
- Wir machen eine Taschenlampenrunde.
- Wir backen deine Lieblingsplätzchen.
- Du bestimmst die Musik im Auto.
- Wir spielen dein Lieblingsspiel – ohne nebenbei aufs Handy zu schauen.
- Heute gibt es Frühstück zum Abendessen.
- Wir machen einen Winterspaziergang mit warmem Kakao.
- Du bekommst eine Stunde ungeteilte Mama- oder Papazeit.
- Wir machen Stockbrot – notfalls sehr winterlich eingepackt.
So wird der Kalender wirklich rechtzeitig fertig
Der wichtigste Trick ist leider erschreckend unspektakulär: anfangen. Nicht gedanklich. Wirklich.
- Legt eine Kiste oder Tasche nur für den Adventskalender an. Alles, was ihr findet, wandert sofort hinein.
- Schreibt eine Liste mit 24 Nummern. Sonst kauft ihr irgendwann den fünften Radiergummi und habt trotzdem nichts für Nikolaus.
- Mischt günstige und größere Inhalte. Nicht jedes Türchen braucht denselben Warenwert.
- Packt in Etappen: zuerst sammeln, dann einpacken, ganz am Schluss nummerieren.
- Haltet ein oder zwei Reservekleinigkeiten bereit. Der Dezember liebt Planänderungen.
- Passt ein Geschenk nicht ins Päckchen, kommt nur eine kleine Schatzkarte hinein. Das große Teil darf sich irgendwo im Haus verstecken.
Ich hänge unsere Päckchen ans Treppengeländer. Das ist praktisch, weil der Kalender keinen zusätzlichen Platz braucht. Und schön ist es auch: Sobald die 24 Päckchen dort hängen, sieht schon der Hauseingang nach Advent aus. Bevor auch nur eine einzige Plätzchendose gefüllt ist. Ein klarer Vorsprung.
Bitte keinen Perfektionskalender bauen
Der Kalender muss nicht aussehen, als hätte eine skandinavische Werbeagentur drei Monate daran gearbeitet. Unterschiedliches Papier ist erlaubt. Schiefe Zahlen sind erlaubt. Ein Päckchen, das mit erstaunlich viel Klebeband zusammengehalten wird, ist ebenfalls erlaubt.
Kinder erinnern sich nicht daran, ob das Geschenkband farblich exakt zur Treppendekoration gepasst hat. Sie erinnern sich an das Raten. An die Vorfreude. Vielleicht an das große LEGO-Set, das jeden Morgen ein Stück weitergewachsen ist. Und an die Abende, an denen aus einem kleinen Zettel plötzlich gemeinsames Spielen, Backen oder Losziehen wurde.
Versucht deshalb, auch als Mutter oder Vater Spaß daran zu haben. Macht keinen weiteren Punkt auf eurer weihnachtlichen Leistungsliste daraus. Der selbst gefüllte Adventskalender ist keine Prüfung. Er ist eine kleine tägliche Einladung: Ich habe an dich gedacht.
Mein erstes Türchen liegt jedenfalls schon bereit. Nur noch 23. Und wenn ihr mich am 30. November doch mit Geschenkpapier zwischen den Zähnen unter dem Treppengeländer findet, dann reden wir einfach nicht darüber.
Und jetzt ihr
Was war das schönste, lustigste oder überraschendste Ding, das bei euch jemals in einem Adventskalender steckte? Erzählt es mir – ich habe schließlich noch 23 Türchen vor mir.
