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Waschen ohne Drama

Oder: Was dein Stoff dir sagen würde, wenn er sprechen könnte – Waschzeichen entschlüsseln, Temperaturen richtig wählen, Waschmittel sortieren und das komplette Flecken-ABC.

Stand:

Illustration: Tante Ema mit einem Stapel frisch gewaschener Stoffe, Wäscheleine, Hund und Katze in der Wanne und Waschmaschine

„Nicht so heiß!“

„Dreh mich vorher auf links!“

„Ich bin Wolle. Warum liege ich im Trockner?!“

„Hättest du mal auf dieses kleine Schildchen geguckt.“

Stoffe können erstaunlich viel aushalten. Aber eben nicht alle dasselbe. Was Baumwolle völlig gelassen hinnimmt, kann bei Wolle, Viskose oder einem empfindlichen Druck schon für mittelschwere Familienkrisen sorgen.

Deshalb gibt es hier Tante Emas großen Waschzettel: für neue Stoffe, fertige Lieblingsstücke, rätselhafte Waschzeichen und diese Momente, in denen Tomatensoße ausgerechnet auf dem weißen Shirt landet.

Abschnitt 01Bevor Stoff überhaupt in die Waschmaschine kommt

Neue Stoffe bitte erst waschen – und dann die Schere holen

Wenn du aus einem Stoff Kleidung, Kissen, Taschen oder andere Dinge nähst, solltest du ihn in der Regel vor dem Zuschneiden so waschen, wie das fertige Stück später auch gewaschen werden soll.

Warum?

Weil viele Stoffe bei der ersten Wäsche noch etwas einlaufen können. Und es ist wesentlich angenehmer, wenn das vor dem Nähen passiert und nicht hinterher, wenn die Hose plötzlich Hochwasser hat.

Außerdem können neue Stoffe noch überschüssige Farbe, Appreturen oder Rückstände aus der Herstellung enthalten.

Bei sehr empfindlichen Stoffen, besonderen Beschichtungen oder Materialien mit speziellen Pflegehinweisen gilt natürlich: Erst aufs Pflegeetikett beziehungsweise auf die Herstellerangaben schauen.

Illustration: Tante Ema stopft bunte Punkte-Stoffe in die offene Waschmaschinentrommel, daneben der Wäschekorb
Erst die Trommel – dann die Schere.

Tante Emas Merksatz

Erst waschen. Dann zuschneiden. Dann freuen.

Abschnitt 02Tante Emas 8 Regeln für ein langes Stoffleben

Illustration: Tante Ema liest das Pflegeetikett auf einem weißen Handtuch1

Pflegehinweise beachten

Sie geben die maximale Behandlung an, die ein Textil verträgt.

Illustration: Drei Wäschekörbe mit dunkler, heller und weißer Wäsche2

Farben sortieren

Dunkel, hell und weiß getrennt zu waschen verhindert viele unschöne Überraschungen.

Illustration: Hände drehen ein türkises Punkteshirt auf links3

Auf links drehen

Schont Drucke, Farben und Oberflächen.

Illustration: Eine Hand schließt den Reißverschluss einer gepunkteten Jacke4

Reißverschlüsse schließen

Offene Zähne können andere Textilien beschädigen.

Illustration: Tante Ema zieht zerknülltes Papier aus einer Jeans-Tasche, daneben Schlüssel, Münze und Kassenbon5

Taschen kontrollieren

Ein einziges Papiertaschentuch kann erstaunlich viel Chaos anrichten.

Illustration: Volle Waschmaschine, im Gedankenballon ein überladenes Bullauge mit rotem Kreuz6

Waschmaschine sinnvoll füllen

Nicht drei Shirts allein auf Weltreise schicken – aber empfindliche Programme auch nicht stopfen.

Illustration: Tante Ema hält ein Shirt, daneben ein Zettel „So kühl wie sinnvoll waschen“ und eine 30-Grad-Waschmaschine7

So kühl wie sinnvoll waschen

Moderne Waschmittel reinigen normale Wäsche häufig bereits bei niedrigen Temperaturen gut. (Umweltbundesamt)

Illustration: Tante Ema behandelt einen Fleck auf weißem Stoff mit Fleckenentferner, Zettel „vorher“8

Flecken vorher behandeln

Ein eingetrockneter Fleck ist meistens deutlich hartnäckiger als ein frischer. (Verbraucherzentrale)

Abschnitt 0330, 40 oder 60 Grad?

Die Zahl im Waschbottich bedeutet nicht:

„Du musst mich bei 40 Grad waschen.“

Sie bedeutet:

„Mehr als 40 Grad möchte ich bitte nicht.“

Waschbottich mit der Zahl 40

40 °C heißt: höchstens 40 °C, nicht zwingend 40 °C.

Die Temperatur auf dem Pflegeetikett ist also die höchstzulässige Waschtemperatur. (GINETEX GERMANY)

Für normal verschmutzte Alltagswäsche reichen häufig niedrigere Temperaturen aus. Das spart außerdem Energie. (Umweltbundesamt)

Grobe Orientierung

TemperaturTypische Verwendung
20–30 °Cleicht verschmutzte Kleidung, viele farbige und empfindlichere Textilien
40 °Cnormale Alltagswäsche, viele Baumwoll- und Mischgewebe
60 °Crobuste Textilien, wenn Material, Farbe und Pflegehinweis es zulassen
95 °Cnur entsprechend gekennzeichnete, sehr robuste kochfeste Textilien

Das Etikett hat dabei immer das letzte Wort.

Abschnitt 04Was bedeuten die Waschsymbole?

Auf einem vollständigen Pflegeetikett stehen die Symbole normalerweise in dieser Reihenfolge:

Waschen → Bleichen → Trocknen → Bügeln → professionelle Textilpflege. (GINETEX GERMANY)

1. Der Waschbottich

Der kleine Bottich sagt dir, ob und wie das Textil gewaschen werden darf.

Waschbottich mit 40

Maschinenwäsche bis maximal zu dieser Temperatur

Waschbottich mit einem Strich darunter

schonender Waschgang / reduzierte mechanische Belastung

Waschbottich mit zwei Strichen darunter

besonders schonender Waschgang

Hand im Waschbottich

Handwäsche

Durchgestrichener Waschbottich

nicht waschen

Ein Strich unter dem Bottich ist also kein dekorativer Unterstrich. Er bedeutet wirklich: Bitte etwas vorsichtiger mit mir.

2. Das Dreieck – Bleichen

Das Dreieck gehört zur Bleiche.

Chlor- und Sauerstoffbleiche möglich

Dreieck mit zwei schrägen Strichen

nur Sauerstoffbleiche

Durchgestrichenes Dreieck

nicht bleichen

Besonders bei bunten Stoffen gilt: Fleckenmittel vorher möglichst an einer unauffälligen Stelle testen. GINETEX weist beim Symbol „nicht bleichen“ ausdrücklich darauf hin, auch bei Fleckenentfernern vorsichtig zu sein. (GINETEX GERMANY)

3. Das Quadrat – Trocknen

Beim Trocknen wird es ein kleines bisschen bilderrätseliger.

Ein Kreis im Quadrat steht für den Wäschetrockner.

Trockner grundsätzlich möglich

Kreis mit einem Punkt im Quadrat

schonend bei reduzierter Temperatur trocknen

Kreis mit zwei Punkten im Quadrat

normale Trocknung möglich

Durchgestrichener Kreis im Quadrat

nicht in den Trockner

Quadrat mit waagerechtem Strich

liegend trocknen

Quadrat mit senkrechtem Strich

auf der Leine beziehungsweise hängend trocknen

Quadrat mit schrägem Strich in der Ecke

im Schatten trocknen

Wolle, empfindliche Fasern und manche Baumwollgewirke können durch den Trockner Schaden nehmen oder einlaufen. (GINETEX GERMANY)

Oder, wie Tante Ema sagen würde:

„Nur weil etwas in den Trockner hineinpasst, heißt das noch lange nicht, dass es da hineingehört.“

4. Das Bügeleisen

Hier sind die Punkte entscheidend. Je mehr Punkte, desto mehr Hitze verträgt der Stoff.

Bügeleisen mit einem Punkt

niedrige Temperatur

Bügeleisen mit zwei Punkten

mittlere Temperatur

Bügeleisen mit drei Punkten

hohe Temperatur

Durchgestrichenes Bügeleisen

nicht bügeln

Bei Drucken, Beschichtungen oder empfindlichen Oberflächen lieber auf links bügeln oder ein Tuch dazwischenlegen.

Und nein: „Ich mache nur ganz kurz“ ändert die Temperatur des Bügeleisens leider nicht.

5. Der Kreis – professionelle Reinigung

Der Kreis ist hauptsächlich eine Nachricht an die Textilreinigung.

Die Buchstaben darin geben an, welche professionellen Reinigungsverfahren beziehungsweise Lösemittel verwendet werden dürfen. Ein Strich darunter bedeutet auch hier eine schonendere Behandlung. (GINETEX GERMANY)

Für zu Hause reicht deshalb meistens:

Kreis gesehen + Kleidungsstück empfindlich = Etikett dranlassen und gegebenenfalls der Reinigung zeigen.

Abschnitt 05Welches Waschmittel wofür?

Du brauchst nicht für jedes Kleidungsstück eine eigene Flasche. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass für den Haushalt wenige Standardwaschmittel ausreichen. (Verbraucherzentrale)

Illustration: Waschmittelpulver aus dem Karton, ein Messbecher voll Pulver und gestapelte weiß-rot gestreifte Handtücher

Vollwaschmittel

robuste weiße und helle Wäsche

Illustration: Waschmittel-Flasche zwischen bunt gefalteten Tüchern und Wäschekorb

Colorwaschmittel

farbige Textilien

Illustration: Waschmittel-Flasche mit Tropfen-Motiv neben einer zarten Bluse mit Spitzenkragen und rosa Blüten

Feinwaschmittel

empfindlichere Fasern und Stoffe

Illustration: Waschmittel-Flasche mit Herz neben Wollknäuel, gewirktem Schal und Baumwollzweigen

Wollwaschmittel

Wolle und entsprechend gekennzeichnete empfindliche Textilien

Die Dosierung richtet sich nach Wasserhärte, Verschmutzung und Wäschemenge. Viel hilft beim Waschmittel nicht automatisch viel. (Verbraucherzentrale)

Abschnitt 06Tante Emas Stoff-Schnellcheck

Baumwolle – im Stofflexikon nachschlagen

Der unkomplizierte Typ im Stoffschrank.

Viele Baumwollstoffe lassen sich problemlos waschen. Temperatur und Trocknerverträglichkeit hängen aber von Färbung, Druck, Verarbeitung und Ausrüstung ab.

Wichtig beim Nähen: vorher waschen, weil Baumwolle einlaufen kann.

Leinen – im Stofflexikon nachschlagen

Leinen darf knittern. Wirklich. Das gehört dazu.

Leinen möglichst nicht unnötig quetschen und beim Bügeln gegebenenfalls noch leicht feucht bearbeiten.

Viskose – im Stofflexikon nachschlagen

Sie sieht manchmal aus, als könne sie alles. Kann sie nicht.

Viskose kann im nassen Zustand empfindlicher sein. Schonend waschen, nicht wild wringen und die Herstellerangaben beachten.

Jersey – im Stofflexikon nachschlagen

Vor dem Waschen auf links drehen. Besonders bedruckte Jerseys danken eine schonende Behandlung.

Beim Nähen am besten auch hier vorwaschen.

Sweat und French Terry – im Stofflexikon nachschlagen

Meist relativ unkompliziert, aber auch hier können Farben, Drucke und Materialmischungen die Pflege verändern.

Vorher waschen ist gerade bei Meterware sinnvoll.

Wolle – im Stofflexikon nachschlagen

Wolle möchte Sonderbehandlung.

Wollprogramm beziehungsweise Handwäsche entsprechend der Kennzeichnung, passendes Waschmittel und möglichst wenig Reibung.

Und bitte nicht spontan bei 60 Grad zwischen die Handtücher werfen. Wolle kann verfilzen – gründlich.

Polyester und Mischgewebe – im Stofflexikon nachschlagen

Oft pflegeleicht und schnell trocknend. Trotzdem lohnt der Blick aufs Etikett, denn Drucke, Beschichtungen und Mischfasern können andere Pflege benötigen als die Faser allein vermuten lässt.

Abschnitt 07Fleck! Und jetzt?

23 Flecken · 13 Mittel · klare Schritte

Der Flecken-Finder hat jetzt seine eigene Seite

Nicht in Panik schrubben und nicht erst drei Tage darüber nachdenken: Fleck auswählen, Stoff prüfen und die passende Lösung öffnen.

Zum Flecken-Finder →

Die Mittel

Abschnitt 09Bitte noch nicht trocknen!

Das ist eine der wichtigsten Regeln bei Flecken.

Ist ein Fleck nach dem Waschen noch sichtbar, solltest du das Kleidungsstück nicht automatisch in den Trockner werfen oder heiß bügeln. Behandle den Fleck lieber noch einmal.

Denn Wärme kann manche Flecken hartnäckiger machen.

Abschnitt 10Die Sache mit dem Weichspüler

Weichspüler ist kein Muss.

Er verändert die Haptik von Textilien und enthält zusätzliche Inhaltsstoffe und häufig Duftstoffe. Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen sparsamen Umgang beziehungsweise weist darauf hin, dass viele zusätzliche Waschprodukte nicht notwendig sind. (Verbraucherzentrale)

Und auch der beliebte Internet-Tipp „Essig statt Weichspüler“ ist nicht automatisch die Wunderlösung: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Essig die sogenannte Wäschestarre nicht zuverlässig verhindert. (Umweltbundesamt)

Abschnitt 11Kann ich Stoffe einfach bei 30 Grad waschen?

Oft ja. Aber nicht immer.

Das Pflegeetikett beschreibt die maximal zulässige Behandlung. Bei normal verschmutzter Kleidung reichen häufig niedrigere Temperaturen aus. Hygieneanforderungen, Material und Verschmutzung können aber eine andere Behandlung erforderlich machen. (GINETEX GERMANY)

Abschnitt 12Warum sieht mein Stoff nach dem Waschen anders aus?

Das kann viele Gründe haben.

Naturfasern können etwas einlaufen. Oberflächen verändern sich. Stoffe können weicher werden. Manche Farben verlieren bei häufigem Waschen etwas an Intensität.

Und manchmal war die Temperatur, der Trockner oder das Waschprogramm einfach ein bisschen enthusiastischer als der Stoff.

Genau deshalb empfehlen wir bei Meterware: Vor dem Nähen so waschen, wie du das fertige Stück später pflegen möchtest.

Abschnitt 13Und wenn ich gar nicht weiß, was für ein Stoff das ist?

Dann nicht einfach das robusteste Programm auswählen.

Schau zuerst nach einer Kennzeichnung. Gibt es keine, beginne möglichst vorsichtig.

Noch besser:

Finde zuerst heraus, welche Faser beziehungsweise welcher Stoff vor dir liegt.

Dafür gibt es Tante Emas Stofflexikon.

Denn wer seinen Stoff kennt, muss beim Öffnen der Waschmaschine sehr viel seltener die Luft anhalten.

Abschnitt 14Tante Emas Waschzettel in ganz kurz

Der Kurz-Zettel für die Waschküche

  • Pflegeetikett lesen.
  • Farben sortieren.
  • Auf links drehen.
  • Nicht unnötig heiß waschen.
  • Flecken möglichst schnell behandeln.
  • Empfindliche Stoffe nicht schrubben.
  • Fleckenmittel erst testen.
  • Vor dem Trockner kontrollieren, ob der Fleck wirklich weg ist.
  • Und Meterware am besten vor dem Zuschneiden waschen.

Dann stehen die Chancen ziemlich gut, dass aus deinem Lieblingsstoff auch ein Lieblingsstück wird.

Und zwar länger als bis zur ersten Wäsche.

Abschnitt 15

Quellen

Weitersagen lohnt sich

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