Vorfreude in Rot, Weiß und Silber
Es gibt etwas, das ich an Weihnachten besonders liebe: die Zeit davor.
Wenn ich die Weihnachtsdeko hervorhole, die ersten Dinge aufstelle und überlege, was dieses Jahr wohin darf. Ein bisschen umräumen, anders kombinieren, Vertrautes neu entdecken. Was letztes Jahr auf der Fensterbank stand, bekommt diesmal vielleicht einen ganz anderen Platz. Ich mag dieses Herumprobieren. Wenn es nach und nach weihnachtlicher wird und ich zwischendurch stehen bleibe und denke: Ach, schön.
Meistens kommen noch ein oder zwei neue Dekosachen dazu. Ein frischer Kranz darf auch nicht fehlen. Und schon bin ich mittendrin in meiner liebsten Jahreszeit.
Nur beim Weihnachtsbaum hört meine Experimentierfreude auf. Der ist rot, weiß und silber. Jedes Jahr.
Ich könnte jetzt behaupten, dahinter stecke ein ausgeklügeltes Farbkonzept. Aber die Wahrheit ist: Mir gefällt das einfach am besten. Ist halt so. Manche Dinge dürfen bleiben.
Der Baum darf bei uns auch nicht zu spät stehen. Ich möchte schließlich etwas von ihm haben. Ihn anschauen, mich über ihn freuen, morgens schon an ihm vorbeilaufen. Ich brauche keinen möglichst kurzen Gastauftritt vom Weihnachtsbaum. Wenn er schon da ist, darf er es sich gemütlich machen.
Ein bisschen Weihnachten darf immer bleiben
Auch wenn die Farben am Baum gleich bleiben: Ein bisschen etwas kommt doch jedes Jahr dazu. Egal, wo ich unterwegs bin, halte ich Ausschau nach einer besonderen Kugel oder einem anderen schönen Anhänger. Mal werde ich im Baumarkt fündig, mal auf dem Weihnachtsmarkt. Das muss nichts Großes oder Kostbares sein. Manchmal sehe ich einfach etwas und weiß: Du kommst mit. Für dich finden wir noch ein Plätzchen am Baum.
So bleibt er vertraut und verändert sich trotzdem ein kleines bisschen. Zwischen all den alten Lieblingsstücken hängt dann eine neue Entdeckung.
Wobei ich zugeben muss: Manche Weihnachtsanhänger schaffen es bei mir gar nicht erst zurück in die Kiste.
An meiner Schreibtischlampe im Büro hängt das ganze Jahr Weihnachtsdeko. Ein kleiner Weihnachtsmann, der inzwischen völlig ausgeblichen ist. Ein Herzanhänger. Ein silberner Stern, den meine Mutter genäht hat. Und eine kleine Schelle in Form eines Schneemanns.
Die hängen da auch an den heißesten Sommertagen, während ich arbeite. Der Weihnachtsmann hat zwar über die Jahre ordentlich Farbe gelassen, aber seinen Platz gebe ich deshalb noch lange nicht frei. Und der Stern von meiner Mutter bleibt sowieso.
Ich mag es, diese kleinen Dinge um mich zu haben. Sie gehören zu meinem Schreibtisch und zu mir. Dass sie eigentlich Weihnachtsdeko sind, stört hier wirklich niemanden.
Wer also meint, ich hätte im Januar vergessen abzuschmücken: Nein. Das ist Absicht.
Ein kleines musikalisches Geständnis
Ich gehöre zu den Menschen, die auch mitten im Jahr Weihnachtslieder hören.
Ja. Freiwillig.
Besonders die alten Aufnahmen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Doris Day, Dean Martin und diese Stimmen, bei denen bei mir sofort etwas passiert. Aber auch deutsche Chöre und Pentatonix. Da bin ich durchaus vielseitig. Nur jahreszeitlich offenbar wenig eingeschränkt.
Wenn ich arbeite, singe ich lauthals mit. Und mit „mitsingen" meine ich nicht ein dezentes Summen im Hintergrund. Ich bin da schon mit vollem Herzen dabei. Manchmal werde ich richtig emotional.
Was soll ich sagen? Ich liebe es.
Und ich sehe auch keinen vernünftigen Grund, etwas, das mir so viel Freude macht, ausschließlich für den Dezember aufzuheben.
Die Kissen von meinem ersten Gehalt
Zur Vorweihnachtszeit gehören bei mir auch rote Kissenbezüge mit weißem Stickmuster. Die hole ich jedes Jahr wieder hervor.
Ich habe sie vor ungefähr 25 Jahren gekauft. Nicht alle haben die lange Zeit überlebt, aber zwei oder drei sind noch da. Und ich weiß bis heute ganz genau, wie es war, als ich sie gekauft habe.
Es war mein erstes Gehalt. Mein selbst verdientes Geld. Davon wollte ich mir, uns, etwas Schönes gönnen.
Und es wurden diese Kissenbezüge.
Damals konnte ich natürlich nicht wissen, dass ich ein Vierteljahrhundert später noch von ihnen erzählen würde. Dass sie so viele Weihnachtszeiten begleiten und irgendwann weit mehr sein würden als rote Bezüge mit weißer Stickerei.
Aber genau das sind sie geworden.
Wenn ich sie heute hervorhole, erinnere ich mich an die Freude von damals. Daran, etwas aussuchen zu können, das unser Zuhause schöner macht. Etwas, das ich selbst bezahlt habe.
Diese Kissen haben inzwischen einiges mitgemacht. Und jedes Jahr dürfen sie wieder aufs Sofa.
Zwischen all den neuen schönen Dingen, die man im Advent überall entdeckt, mag ich gerade das: etwas wiederzusehen, das schon lange zu uns gehört.
Gemütlich geht auch schon morgens
Auf Kerzenlicht warte ich übrigens nicht bis zum Abend. Wenn es morgens noch dunkel ist, zünde ich schon Kerzen an -- bei mir paraffinfreie. Dazu der Kamin, und der Tag beginnt gleich ein bisschen gemütlicher.
Natürlich muss trotzdem gearbeitet werden. Die Aufgaben verschwinden nicht, nur weil irgendwo eine Kerze brennt. Schade eigentlich.
Aber ich genieße diese kleinen Dinge mitten im Alltag. Das Licht. Die Wärme. Die roten Kissen. Und irgendwo singt Dean Martin, wobei ich ihm vermutlich gerade tatkräftig helfe.
Für mich steckt darin ganz viel Vorweihnachtsfreude. Ich möchte nicht wochenlang alles für ein paar schöne Feiertage vorbereiten und dabei verpassen, wie schön es vorher schon sein kann.
Und dann wäre da noch der Adventskalender ...
Bei aller Begeisterung hoffe ich sehr, dass ich den Adventskalender für meinen Sohn rechtzeitig fertig bekomme.
Ich finde, das darf man ruhig dazusagen. Weihnachtslieder im Sommer zu hören bedeutet leider nicht automatisch, im November bestens organisiert zu sein.
An der Vorfreude liegt es jedenfalls nicht. Die ist reichlich vorhanden. Jetzt müsste sie sich nur noch gelegentlich mit meiner Zeitplanung zusammensetzen.
Falls es euch ähnlich geht: Ihr seid hier in guter Gesellschaft.
Macht es euch schön. So, wie es zu euch passt.
Vielleicht mögt ihr euren Baum jedes Jahr anders. Vielleicht hängt bei euch seit Jahrzehnten derselbe Schmuck daran. Vielleicht dekoriert ihr das ganze Haus, vielleicht stellt ihr einen Lieblingsstern ins Fenster und seid damit glücklich.
Ich wünsche euch, dass ihr bei allem, was ansteht, auch zu den Dingen kommt, auf die ihr euch freut. Die Dekokiste öffnen. Musik anmachen. Etwas Schönes wiederfinden. Eine Kerze anzünden und einen Moment sitzen bleiben.
Es muss auch nicht jedes Jahr mehr werden. Manchmal reichen zwei alte Kissenbezüge, damit die Weihnachtszeit zu Hause ankommt.
Und wenn noch nicht alles fertig ist, dürft ihr es trotzdem schon genießen.
Ich wünsche euch eine wunderschöne Vorweihnachtszeit. Lasst euch nicht stressen -- ihr wollt ja auch noch etwas davon haben.
Falls ihr ein bisschen Unterstützung beim Sortieren der vielen kleinen Weihnachtsgedanken braucht:
Hier geht's zum großen Weihnachtsplan.
Und hier findet ihr Ideen für euren Adventskalender.
Alles Liebe,
deine Tante Ema
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