Herbst · Jahresbuch 2026
September · Herbstmond
- Leitthema
- Pilze, Kastanien & Drachen
- Hauptzutat
- Zwetschge
Das Kapitel
September mit einer Schüssel Zwetschgen
Auf dem Heimweg schaue ich mir die Bäume ganz genau an. Ob mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad, das ist egal, nur die Geschwindigkeit ist eine andere. Ich habe ein paar Lieblingsbäume, bei denen ich jedes Jahr wieder nachsehe, wie weit sie schon sind. Einer steht hinter dem Nachbarhaus am Waldrand. Wenn er sich färbt, sieht es aus, als hätte jemand im Wald das Licht angemacht. Ganz so weit ist es im September noch nicht. Er übt erst.
Aber die Nächte werden kühler, und nach diesem langen, heißen Sommer tut das einfach gut. Ende September hatte ich morgens sogar ab und zu den Kamin schon ein bisschen an. Nicht, weil es nötig gewesen wäre. Eher, weil es ging.
Der September steht morgens mit kühlen Füßen in der Küche und tut nachmittags so, als wäre nichts gewesen. Eben noch suchst du eine Strickjacke, ein paar Stunden später sitzt du wieder mit hochgeschobenen Ärmeln draußen. Auf dem Tisch steht eine Schüssel Zwetschgen. Solange sie dort steht, ist der Sommer jedenfalls noch nicht ganz ausgezogen.
Ich mag diesen Monat, in dem so vieles gleichzeitig geht. Ein Eis auf dem Heimweg und eine warme Suppe am Abend. Offene Fenster und die erste Decke über den Knien. Man muss sich noch nicht entscheiden, ob man lieber draußen bleiben oder es sich drinnen gemütlich machen möchte. Der September lässt die Tür einen Spalt offen.
Auch sein alter Name Herbstmond passt dazu. Er bezeichnet den Monat, nicht irgendeine geheimnisvolle Wirkung des Mondes auf unsere Obstschale. Ich stelle mir darunter einen Abend vor, an dem der Himmel schon dunkel ist, während auf dem Küchentisch noch die Ernte liegt. Ein ziemlich guter Platz zwischen draußen und drinnen.
Was der Kalender sich merkt
Am ersten September beginnt der meteorologische Herbst. Für die Wetterstatistik werden die Jahreszeiten in ganze Monate eingeteilt. Die Tomaten draußen halten sich natürlich nicht an solche Zuständigkeiten. Wenn es warm genug bleibt, hängen sie weiter am Strauch und lassen sich Zeit.
Der achte September ist Mariä Geburt. Eine überlieferte Bauernregel verbindet diesen Tag mit dem Fortzug der Schwalben. Solche Merksätze halfen dabei, Veränderungen im Jahreslauf im Kopf zu behalten. Schwalben haben allerdings keinen gemeinsamen Abflugtermin im Kalender; der Satz ist eine alte Beobachtung, kein Fahrplan.
Am dreiundzwanzigsten September beginnt 2026 in Deutschland auch astronomisch der Herbst. Zur Tagundnachtgleiche sind Tag und Nacht ungefähr gleich lang. Danach nimmt die Dunkelheit bei uns weiter zu. Auf einmal fällt beim Abendessen auf, dass jemand schon die Lampe angeknipst hat, obwohl man gefühlt doch gerade erst vom Sommer erzählt hat.
Früher waren solche Übergänge für die Arbeit im Haus und auf dem Land besonders wichtig. Was reif war, musste geerntet und verarbeitet werden. Eine volle Obstschüssel konnte Freude bedeuten und gleichzeitig ziemlich viel Arbeit. Beides darf in unserer Erinnerung Platz haben: der Duft aus dem Backofen und die Hände, die vorher jede einzelne Frucht geöffnet haben.
Was jetzt auf dem Tisch landet
Im Garten und auf den Märkten begegnen sich die Jahreszeiten. Neben Zwetschgen liegen Äpfel und Birnen. Je nach Sorte und Gegend werden Trauben reif, während Tomaten noch Farbe sammeln und die Kürbisse bereits erstaunlich selbstbewusst herumliegen. Hier im Schwarzwald ist zwischen einem geschützten Garten im Tal und einer kühleren Höhenlage oft ein deutlicher Unterschied zu spüren. Der Saisonkalender gibt eine Richtung vor; der Garten liefert seine eigene Ausgabe.
An Wegen stehen trockene Samenstände. Manche Blätter verlieren ihr sattes Grün, andere tun noch unbeteiligt. Nach feuchten Nächten hängt Tau an Gräsern und Spinnfäden. Es lohnt sich, einmal stehen zu bleiben, auch wenn man eigentlich bloß den Müll hinausbringen wollte. Der September verlangt für seine kleinen Vorführungen keine Eintrittskarte.
Und dann sind da die Zwetschgen. Länglich, blauviolett und innen oft gelblich, passen sie wunderbar in diese Zwischenzeit. Eine wird frisch gegessen, aus anderen wird etwas Warmes. Ein Teil kann entsteint ins Gefrierfach wandern. Für später, wenn die Strickjacke nicht mehr zur Diskussion steht.
Es braucht dafür keinen Keller voller Gläser. Eine kleine Portion reicht, wenn sie zu deinem Alltag passt. Vielleicht wird nicht einmal etwas aufgehoben, weil alle Früchte gleich gegessen werden. Auch das ist eine sehr vernünftige Verwendung für eine gute Ernte.
Unser September beginnt deshalb mit einer Schüssel Zwetschgen und der Frage, wie viel Sommer eigentlich in einen ganz gewöhnlichen Nachmittag passt. Was ich mit den Zwetschgen mache, erzähle ich dir in der Speisekammer.
Omas Merktage im September
- 1.9. Ägidius – (noch ohne Text)
- 8.9. Mariä Geburt – Der kleine Frauentag – die Schwalben packen die Koffer.
- 29.9. Michaeli – Alter Zahltag auf dem Land – und Zeit, die Wintersaat in die Erde zu bringen.
Was in diesem Monat erzählt wird
- SchlafzimmerDie große DeckenwanderungNachts ziehen die Füße andere Schlüsse als die Wetter-App. Zeit für die Übergangsdecke. Nur: Wo ist sie, und wem gehört welche? Tante Ema sortiert Decken, Füllungen und Parkplätze – samt Anhängern zum Ausdrucken.
- SchlafzimmerKopfsache500, 800 oder 1.000 Gramm? Wer beim Kissenkauf bisher geraten hat, findet hier Größen, Gewicht und Füllungen einfach erklärt – dazu Tipps für Allergiker und ein Bezug zum Selbernähen.
- KücheFrühstückssuppenSuppe im Vorratsglas, die morgens nur noch heißes Wasser braucht.
